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Was Uns Erwartet II

Oh, es ist so viel zu erledigen, ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht!

Raus, ich muss raus, ich lass die Arbeit Arbeit sein … ah frische Luft, das ist schon mal gut! Aber ich brauche noch mehr, brauche noch anderes.

Ich weiß, da gibt’s heute etwas Besonderes, da fahre ich hin… Jetzt fährt eine U-Bahn ein, oh, ist die voll, aber hier ist noch ein Platz für mich. Im Herzen der Stadt steige ich aus, bahne mir den Weg: So viele Leute hier, ein solches Gedränge, ich komme kaum voran. Da oben, da will ich hin, hier ist er: der Steffl. Auch hier Touristen über Touristen, aber ich finde einen Weg nach vorne, ganz nach vorne – hier pulsiert ein Herz mit einer Liebe, die ich brauche, das ist es, darum bin ich hier. Hier kommt mein Herz zur Ruhe.

Doch da ist noch eine Last, die ich mit mir herumtrage, die mich drückt – was hab ich da nur getan, wieso ist mir das passiert?? – Da drüben, ich sehe es genau, da drüben sitzt jemand mit violetter Stola, bei dem kann ich auch diese Last loswerden. Ich stelle mich an, warte ein bisschen, schon bin ich an der Reihe, schütte mein Herz aus – oh, welch Balsam auf meine Seele: kein Vorwurf, kein Kopfschütteln, sondern Annahme, Vergebung, neuer Friede, Leichtigkeit – wenn es das nicht gäbe, müsste man es erfinden!! Mit federleichter Seele stehe ich auf, dankbar und neu beschwingt klopft mein Herz, schaue ich auf das leuchtend strahlende Herz – es ist Jesus verborgen im Leib Christi in der Monstranz, der mich anstrahlt und mir gerade im Sakrament der Versöhnung einen göttlichen Kuss gegeben hat …

 

* * *

Seit einigen Tagen bin ich schon in dieser schönen Stadt. Viele Sehenswürdigkeiten, beeindruckende Kultur. Dieser Städteurlaub hat sich schon gelohnt, doch jetzt bin ich müde. Fertig. Kann nicht mehr.

Jetzt steht noch der Stephansdom am Programm. Beeindruckende Architektur. Was die Menschen früher alles auf die Beine gestellt haben! Das muss ich mir also auch noch anschauen. – Doch was ist das? Da vorne, da ist ein schönes Licht – erklingt schöne Musik – junge Stimmen – berührende Worte – da sind Menschen, die beten – manche zünden eine Kerze an – schreiben etwas auf und legen es nach vorne – unsere Sorgen dürfen wir aufschreiben und Gott anvertrauen, höre ich. Gilt das auch mir?? Ja! – Oh, Sorgen, ja, die habe ich auch, das stimmt – Hier ist Papier, hier Stifte, Lieber Gott … ich schreibe das Gröbste auf und lege es nach vorne in diesen Korb. Ich kann für mich beten lassen? Oh, das habe ich ja noch nie erlebt, warum nicht ausprobieren, die Menschen hier sind so ermutigend. – Welche Worte sie treffen – sie verstehen mich und sprechen so natürlich mit Gott und beten zu ihm für mich, das berührt mein Herz! So ein Trost! Eine Bibelstelle darf ich ziehen da vorne in einem weiteren Korb – Also, was ich da lese, ich wusste gar nicht, dass so etwas in der Bibel steht! Das passt gerade genau zu mir. Wenn ich gewusst hätte, dass ich auf diesem Städteurlaub so etwas erleben würde …

 

* * *

Es ist Freitag, die Herbsttage laufen in Wien, heute Abend ab 18.00 Uhr steht der „Abend der Barmherzigkeit“ im Stephansdom am Programm. Ich darf mit dabei sein, wir sind so ein großes Team, so viele können ihre Stärken einbringen. Da drüben sind Gebetsteams, zu denen Menschen mit ihren Gebetsanliegen kommen können – Gott segne alle, die kommen, und alle, die in den Teams bereit stehen, um zu beten. Gott schenke ihnen die rechten Worte, um damit die Menschen zu berühren, die zu ihnen kommen. Dort das Lobpreisteam – die Hingabe, mit der sie diese schönen Lieder singen, ist echt berührend. Im ganzen Dom verstreut sitzen Priester und bieten das Sakrament der Versöhnung an – möge Gott seine Güte spüren lassen durch dieses Sakrament. Aber es ist so spannend: Wer wird wohl alles kommen in diesen

Stunden? Wen alles wird Gott mit seiner Barmherzigkeit wohl berühren und vielleicht sogar überraschen können?

 

- Stefan Schantl

 

 

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